Schwitzhütte, sweatlodge

In vielen alten Kulturen wurde und wird (wieder) die Schwitzhütte als Zeremonie der tiefen Reinigung und Erneuerung gefeiert. In ihr kann Mensch sich regenerieren, den Körper reinigen, die Gedanken und Gefühle klären und die Seele nähren.

Wir sitzen im Kreis direkt auf der Erde in einer aus Ruten geflochtenen Hütte. Die Hütte ist mit Decken abgedeckt, drinnen ist es ganz dunkel. In der Mitte ein Erdloch, in das die glühenden Steine hineingelegt werden. Nachdem sie aus dem Schwitzhüttenfeuer, das vor der Hütte brennt, geholt werden, glühen sie noch eine kurze Weile nach, wenn sie in der Hütte liegen. Kräuter, die auf die glühenden Steine gebröselt werden, verbreiten einen wohltuenden Geruch.

Auf die Steine wird Wasser gegossen, das zischend verdampft. Wir beten, einzeln, oder alle miteinander, singen Lieder, sitzen in Stille, meditieren. Der Wasserdampf trägt unsere Gebete hinaus in die Welt. Der Duft von Kräutern, die Wärme und Hitze, die stille Gegenwart der Erde und die lebensspendende Kraft des Feuers schaffen eine Atmosphäre, in der besonders heilsame Erfahrungen möglich sind. Unterstützende Kräfte der geistigen Welt sind eingeladen und möchten ihren Teil zu Heilung, Wachstum und Harmonisierung beitragen.

Am Abend wird die Schwitzhütte gefeiert und am Morgen nach dem gemeinsamen Abbau werden die Erfahrungen miteinander geteilt.

Mitakuye Oyasin – Wir sind alle Verwandte! (Gebet der Sioux)

Erste Schwitzhüttenerfahrung:
Wir sitzen im Kreis auf dem Erdboden. Um uns herum vollständige Finsternis. Jemand atmet tief durch. Ansonsten tiefe Stille. Und Wärme, die uns ein Gefühl von Geborgenheit gibt, ebenso wie die Nähe der Menschen, mit denen ich mich erstaunlich vertraut und verbunden fühlen. Obwohl wir uns bis vor einigen Stunden noch gar nicht kannten. Entspannung breitet sich im Körper aus, das Herz schlägt ruhig und spürbar.
Es duftet nach dunkler Erde, die Hände spüren Gras unter sich.
Die Leiterin der Zeremonie sitzt mit uns im Kreis. Auf ihre Bitte hin öffnet der Mensch, der vor der Hütte das Feuer hütet, den Durchgang, der mit Decken verhängt war. In der Öffnung wird der Schein des flackernden Feuers sichtbar. Es war ein mannshohes Feuer, das inzwischen leise flackert und zu einem großen Gluthaufen heruntergebrannt ist. Es wirft orangen-rotes, warmes Licht auf die Gesichter der Menschen im Kreis. Der Umriss der Hütte wird sichtbar, sie wölbt sich um uns herum wie der geborgene Raum einer Gebärmutter. Die Gebärmutter von Mutter Erde. Unser aller Mutter. Wir alle sind ihre Kinder, alle Menschen unterschiedlichster Herkunft, ohne Unterschied. Zusammen mit Milliarden von weiteren Geschöpfen. Vom Kieselstein bis zum Gebirgszug, vom Grashalm bis zum Mammutbaum, vom Einzeller bis zum Pottwal. Als Tier-, Pflanzen-, Mineralien- und Menschenfamilie sind wir alle miteinander `verwandt´. Was wir für uns tun, tun wir für andere mit. Für alle unsere Verwandten, für alles Leben auf dieser Erde und darüber hinaus.
Das Schaben einer Schaufel in der Glut dringt an mein Ohr, die Füße des Feuerhüters erscheinen vor der Öffnung und die Schaufelkelle, auf der ein kindskopfgroßer rot glühender Stein liegt. Die Leiterin nimmt die Schaufel an, heißt den Stein willkommen und lässt ihn behutsam in ein Erdloch in der Mitte der Hütte gleiten. Drei weitere, kraftvolle Steine folgen, dann verhängt der Hüter des Feuers die Öffnung wieder mit Decken. Wieder Dunkelheit und darin das tieforangene Leuchten der Steine. Kurz sprühen ein paar gelb-goldene Funken auf, als die Leiterin Kräuter auf die Steine streut.
Dann wieder Stille. Der Duft der Kräuter. Atmen. Spüren.   –  Tschschschschschschsch   – Wasser verzischt  auf den Steinen und heißer Dampf steigt auf. Mein Herz schlägt fester, ich atme tief ein. Meine Brust weitet sich, ich richte mich auf, fühle mich tief berührt  und wach bis in jede Zelle. Die Zeremonie hat begonnen.